© Bild: Maria Nasswetter

Waldbaden und was dahintersteckt

In einer Welt voll Hektik, Digitalisierung und ständiger Erreichbarkeit sehnen sich immer mehr Menschen nach Ruhe, Entschleunigung und einem Ort, an dem sie wieder zu sich selbst finden können. Eine Methode, die in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit gewinnt, ist das sogenannte Waldbaden – ein aus Japan stammender Trend, der weit mehr ist als ein Spaziergang im Grünen.

Das verbirgt sich hinter dem Trend des Waldbadens

Der Begriff Waldbaden stammt vom japanischen „Shinrin Yoku“, das wörtlich „Baden in der Waldluft“ bedeutet. Dabei geht es nicht um die sportliche Betätigung und die klassische Wanderung, sondern um das bewusste, achtsame Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes. Ziel ist es, den Wald mit allen Sinnen zu erleben. Dazu gehört das Rascheln der Blätter, das man aufmerksam wahrnimmt, den Duft vom Moos und Holz bewusst erkennen und riechen und die Rinde eines Baumes ertasten. Still beobachten, wie beispielsweise das Licht durch die Baumwipfel fällt gehört ebenso zum Waldbaden.

Das macht das Waldbaden so bekömmlich

Zahlreiche wissenschaftliche Studien, insbesondere aus Japan und Südkorea, belegen inzwischen die positiven Effekte des Waldbadens auf Körper und Geist. Schon ein Aufenthalt von wenigen Stunden im Wald kann nachweislich den Blutdruck senken, den Puls verlangsamen und das Stresshormon Cortisol reduzieren. Die Konzentration kann so verbessert werden, das Immunsystem wird vermutlich gestärkt, und das allgemeine Wohlbefinden steigt merklich.

Besonders bekömmlich ist, dass Bäume Terpenoide absondern. Diese pflanzlichen Duftstoffe stimulieren das menschliche Immunsystem. Dadurch wird die Zahl und Aktivität von natürlichen Killerzellen erhöht. Diese Zellen sind wichtig für die Abwehr von Viren und sogar Krebszellen.

Achtsamkeit und Aktivität

Ein zentrales Element des Waldbadens ist die Achtsamkeit. Während bei einer Wanderung oft das Ziel im Vordergrund steht, geht es beim Waldbaden darum, absichtslos durch den Wald zu streifen, innezuhalten und wahrzunehmen, was gerade geschieht. Viele Menschen berichten, dass sie sich dabei innerlich ruhiger, klarer und zentrierter fühlen. Geführte Seminare zum Thema Waldbaden bieten ebenfalls Achtsamkeitsübungen an. Das kann das Barfußgehen sein, meditative Atemübungen und das bewusste Lauschen der Naturgeräusche. Sehr gut eignet sich das Waldbaden, wenn man allein ist. Wenn man das Waldbaden richtig praktiziert möchte, verzichtet man am besten auf jegliche digitalen Geräte. Denn es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen und wirklich abzuschalten. Da würden Geräte, die zum Hinschauen und Nachschauen verleiten, wirklich stören. Zudem ist so eine digitale Auszeit für das eigene Wohlbefinden förderlich.

Ein Zugang zur Natur und zu sich selbst

In einer zunehmend naturfernen Gesellschaft bietet Waldbaden einen Weg, die Verbindung zu dieser wiederherzustellen. Es schult nicht nur unsere Sinne, sondern das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge und die Bedeutung des Naturschutzes. Denn wer regelmäßig Zeit im Wald verbringt, entwickelt oft ein stärkeres Verantwortungsgefühl gegenüber der Natur. Jemand der sich vermehrt im Wald aufhält wird nach und nach vieles entdecken. Und die Jahreszeiten viel intensiver mitbekommen.

Waldbaden ist ein nützlicher Trend

Waldbaden ist weit mehr als ein nützlicher Trend. Es ist eine Einladung, langsamer zu werden, bewusster zu leben und die heilsame Kraft der Natur wiederzuentdecken. Es kann ein Mittel gegen Stress, zur Stärkung der Gesundheit und als spirituelle Praxis dienen. Ein Spaziergang unter Bäumen wirkt oft wahre Wunder.

 

Quelle:

GEO – Wie Bäume unser Immunsystem stärken