Wiederbelegung der Orte
Ein Ortskern ist der Platz rund um Kirche, Gemeindeamt und Bushaltestelle. Und er ist Teil des sozialen Gefüges einer Gemeinde. Hier wird sichtbar, ob ein Ort lediglich aus aneinandergereihten Häusern besteht, ob er sich entwickelt hat und gewachsen ist und wie der Raum genutzt wird. In vielen österreichischen Gemeinden ist der Ortskern jener Bereich, in dem der Alltag, die Ortsgeschichte und die mögliche Zukunft des Ortes sichtbar sind. Es wurde erkannt, dass etwas gegen das Ortskernsterben und die Absiedlungen getan werden muss. Zudem wird hoffentlich noch mehr auf Revitalisierung, Altbestandserhaltung und ressourcenschonend geplant und gedacht.
Ein Supermarkt mit viel Flächenfraß, gebaut auf die grüne Wiese, gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an. Der Wunsch nach sozialer Nähe, nach einer guten Nahversorgung bleibt bei Dorfbewohner:innen bestehen. Menschen wollen Orte, an denen sie nicht nur Konsument:innen sind. Der belebte und beliebte Ortskern kann diese Bedürfnisse erfüllen, wenn er nicht zur Kulisse verkommt, sondern seine ursprünglichen Grundfunktionen behält und auf aktuelle Anforderungen reagiert.
Kleine Betriebe als soziale Infrastruktur
Die Bäckerei und Fleischhauerei, eine kleine Konditorei, die Trafik und der Nahversorger sind wirtschaftliche Einheiten und sind als Teil einer sozialen Infrastruktur wichtig. Wer regelmäßig in dieselben Bäckerei einkauft, bekommt zum Brot und den Semmerln auch den sogenannten Dorftratsch mit. Und der ist wichtig, um zu wissen, was gerade los ist und sich ereignet im Dorf und der Umgebung. Das wir als Menschen soziale Wesen sind, ist es daher den meisten Leuten wichtig, sich mit anderen Zeitgenossen zu unterhalten und sich mit diesen auszutauschen. Für ältere Menschen kann der tägliche Weg zum Geschäft ein wichtiger Kontakt zur Außenwelt sein. Für Familien bedeutet ein funktionierender Ortskern kürzere Wege. Für Jugendliche entstehen erste selbstständige Bewegungsräume, wenn Schule, Sportplatz, Musikheim oder Bushaltestelle erreichbar sind. Das Wirtshaus spielt ebenso eine gewichtige Rolle. Denn er kann als Versammlungsort, als Bühne für das Vereinsleben im Ort, für Familienfeiern, Stammtische zur Verfügung stellen und für vieles mehr. Wo ein Wirtshaus schließt, geht oft mehr verloren als ein beliebiger Gastronomiebetrieb.
Vereine sind wichtige Institutionen in einem Ort
Österreichs Ortskerne wären ohne Vereine kaum denkbar. Musikverein, Feuerwehr, Sportverein, Theatergruppe oder Pensionistenverband sorgen dafür, dass Gemeinschaft aktiv gelebt wird. Auch dort findet der Tratsch, der Austausch und wichtige Auseinandersetzungen statt. Das kann mitunter auch belastend sein. Wichtig ist die konstruktive und wertschätzende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen und Themen. Unterschiedliche Veranstaltungen beleben den Ortskern und werden oft von Vereinen organisiert. Mitunter strukturieren solche Ereignisse das Jahr und finden in bestimmten Abständen statt. Sie geben vielleicht dem Ort eine Art Rhythmus. Sie sorgen auf jeden Fall dafür, dass Menschen zusammenkommen, die einander im Alltag vielleicht sonst nur flüchtig begegnen.
Lebendige Ortskerne brauchen bewusste Entscheidungen
Ein lebendiger Ortskern entsteht nicht von selbst. Er braucht politische Entscheidungen, unternehmerischen Mut und Bürgerinnen und Bürger, die ihn nutzen. Verschiedene Förderungen werden dazu angeboten und Initiativen entstehen. Sobald Parkplätze wichtiger sind als Aufenthaltsqualität, wenn Erdgeschoßflächen leer stehen oder wenn Betriebe an den Rand gedrängt werden, verliert ein Ort sukzessive den Erhalt.
Mehr Nähe und Begegnung
Vielleicht liegt gerade darin die Zukunft österreichischer Orte. In einer Zeit, in der vieles schneller, digitaler und anonymer wird gewinnen Orte an Wert, an denen man sich persönlich begegnet. Der belebte und beliebte Ortskern als Gegenmodell zur Vereinzelung. Er erinnert daran, dass Lebensqualität nicht nur aus Konsument:innen, Einkommen oder Verkehrsanbindung besteht, sondern ebenso aus Vertrautheit, kurzen Wegen und zufälligen Gesprächen.
Quellen:
Fördermaßnahmen zur Ortskernbelebung
